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Tipp des Monats Februar

Neun Grad Celsius für das blühende Leben

 

Neun Grad Celsius

 

Schneeglöckchen wollen ans Licht. Selbst wenn noch Schnee den gefroren Boden bedeckt, drängen sie mit ihren Köpfen nach oben. Forscher haben herausgefunden, dass Schneeglöckchen Wärme produzieren: neuen Grad Celsius. So bringen sie das Eis um sich herum zum Schmelzen. Sie räumen sich die Bahn frei durch ihre Herzenswärme. Wie charmant. Und bewundernswert. Ich würde auch gern öfter Eis zum Schmelzen bringen. Tauwetter produzieren. In der Diskussion mit verhärteten Fronten. Im Streit mit dem Partner. An der Telefonhotline der Elektro-Ersatzteil-Abteilung. Wenn ich in Eile bin. Wenn ich mein Gegenüber nicht sofort verstehe. Wenn ich genervt bin. Wenn ich engstirnig bin. Wenn ich eisig wirke. Ich will beim nächsten Mal an Schneeglöckchen denken. Neun Grad Celsius für das blühende Leben. Das wäre eine Erderwärmung, wie ich sie mir wünsche.

Kirstin Westhuis, aus „wandeln. Mein Fasten-Wegweiser 2017“

 

Nach dem lichtvollen Dezember voller Vorfreude auf Weihnachten traf mich der dunkle, niederschlagsreiche Januar völlig unvermittelt. Jedes Jahr sehne ich die Frühblüher herbei, doch dieses Jahr scheint meine Sehnsucht größer. Der tägliche Blick auf die Schneeglöckchenecke im Garten unter einer großen Blutpflaume wurde jetzt endlich belohnt. Erste, kleine, zarte Spitzen drängen sich ans Licht.

 

Ich denke, durch den Lockdown, die Kontaktbeschränkungen und die Angst vor dem Virus und auch um unsere Gesundheit und die der anderen sind wir zum Teil emotional sehr angespannt. Wir sehnen uns nach Licht und Wärme, das Eis zu durchbrechen. Wie das Schneeglöckchen drängen wir ans Licht einer "Normalität" entgegen. Das Schneeglöckchen ist ein schönes Bild für aufkeimende Hoffnung und eine Erinnerung, unseren Blick und unser Herz auch für das Kleine zu öffnen.

 

Vielleicht geht es Ihnen wie mir. Was sehnen Sie herbei und was öffnet in Ihnen die Hoffnung wie der Frühling die Knospen?